Endometriose und das Nervensystem. Warum strahlt der Schmerz durch den ganzen Körper und hält auch nach der Operation an?

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Das haben Sie wahrscheinlich schon oft gehört. Endometriose Es sind einfach nur „sehr schmerzhafte Regelschmerzen“. Aber vielleicht sieht Ihre Realität ganz anders aus. Sie spüren einen stechenden, elektrischen Strom, der von Ihrem Gesäß bis zu Ihren Fersen fährt. Ihre Haut schmerzt, wenn Ihre enge Jeans sie berührt. Oder vielleicht hatten Sie bereits eine meisterhaft durchgeführte Operation, bei der die gesamte Endometriose entfernt wurde, und dennoch hindern Sie die Beckenschmerzen weiterhin daran, ein normales Leben zu führen und treiben Sie in Tränen der Verzweiflung. Sie beginnen sich zu fragen, ob Sie sich das alles nur einbilden. SymptomeManche Ärzte vermuten, das Problem liege in Ihrem Kopf. Ich möchte Ihnen heute etwas unglaublich Wichtiges sagen: Es liegt nicht in Ihrem Kopf, sondern in Ihrem Nervensystem. Endometriose kann Ihre Nerven unaufhörlich angreifen und die Schmerzwahrnehmung Ihres Gehirns dauerhaft verändern. Zu verstehen, wie das geschieht, ist der Schlüssel zur Wiedererlangung Ihres Selbstwertgefühls.

Wenn Entzündungen die Nervenfasern angreifen. Neuropathische Schmerzen und Ischias.

Stellen Sie sich Ihr Nervensystem als ein komplexes Netzwerk elektrischer Leitungen vor, die vom Gehirn über das Rückenmark bis in die entferntesten Bereiche Ihres Körpers verlaufen. Endometriose, eine unglaublich raffinierte und aggressive Erkrankung, beschränkt sich nicht auf Gebärmutter, Eierstöcke oder Darm. Ihre Zellen können direkt in diese feinen Leitungsbahnen im Beckenbereich eindringen.

Wenn sich eine Endometrioseherde um den Ischiasnerv, den Pudendusnerv oder andere Nervengeflechte schmiegt, beginnt eine Tragödie, die mit herkömmlichen Schmerzmitteln nicht gelindert werden kann. Man spricht dann von neuropathischen Schmerzen. Es handelt sich dabei nicht nur um einen einfachen stechenden Schmerz im Unterleib. Betroffene beschreiben ihn als brennendes, stechendes Gefühl, als würde kochendes Wasser über sie gegossen, oder als einen plötzlichen, lähmenden Stromschlag. Deshalb können während des Eisprungs oder der Menstruation Schmerzen auftreten, die ins gesamte Bein ausstrahlen und von Orthopäden oder Neurologen oft fälschlicherweise als klassischer Ischias diagnostiziert werden. Der Nerv ist physisch komprimiert, blutet und schreit förmlich nach Hilfe.

Ein defekter Feuermelder oder eine zentrale Sensibilisierung

Der Angriff auf die peripheren Nerven ist jedoch nur die halbe Wahrheit. Eine viel größere Herausforderung stellt das dar, was im Zentrum des Schmerzes, im Gehirn und Rückenmark, geschieht. Stellen Sie sich Schmerz wie einen Feueralarm in Ihrem Körper vor. Wenn Sie eine heiße Herdplatte berühren, ertönt der Alarm, Ihre Hand wird weggezogen und Sie werden vor Verbrennungen bewahrt. Nach einem Moment verschwindet das Brennen und der Alarm verstummt.

Stellen Sie sich nun vor, was passiert, wenn Ihr Beckenbereich zehn Jahre lang durch Endometriose chronisch entzündet ist. Die Alarmglocken schrillen unaufhörlich, Monat für Monat, Jahr für Jahr. Irgendwann ist Ihr zentrales Nervensystem durch diese Reize so erschöpft und überreizt, dass es eine physische und chemische Umstrukturierung durchläuft. Dieses Phänomen nennt man zentrale Sensibilisierung. Das Alarmsystem funktioniert nicht mehr richtig und blockiert. Das Gehirn senkt seine Schmerzschwelle auf null und wird überempfindlich. Infolgedessen empfinden Sie plötzlich unerträgliche Schmerzen bei Reizen, die normalerweise nicht schmerzen sollten – zum Beispiel beim Geschlechtsverkehr. Umfrage gynäkologische Beschwerden, das Tragen engerer Kleidung oder sogar das Ansammeln einer kleinen Menge Urin in der Blase (dies wird als Allodynie bezeichnet). Ihr Gehirn interpretiert dann alles um Sie herum als Bedrohung.

Warum reicht eine Operation allein manchmal nicht aus?

Das Phänomen der zentralen Sensibilisierung ist eine Reaktion auf eine der schmerzhaftesten Enttäuschungen, die viele Frauen erleben. Stellen Sie sich vor, Sie finden endlich einen Top-Spezialisten. Sie werden operiert, ein erfahrener Chirurg entfernt jede einzelne Endometrioseherde millimetertief, und Ihre Organe sind wieder frei. Medizinisch gesehen ist der Schmerz im Beckenbereich gelöscht. Sie wachen nach der Operation auf, Monate sind vergangen, und Ihr Becken schmerzt immer noch unerträglich. Die Angst macht sich breit, dass die Krankheit plötzlich zurückgekehrt ist.

Das Feuer war zwar tatsächlich erloschen, doch der Alarm, der in meinem Kopf schon seit Jahren geschrillt hatte, verstummte nicht. Der Schmerz war nicht länger nur ein Symptom von Gewebeschädigung. Bauchund hat sich zu einer eigenständigen Erkrankung des Nervensystems entwickelt. Ihr Gehirn hat diesen Schmerz quasi „gelernt“ und erzeugt ihn gewohnheitsmäßig immer wieder. An diesem Punkt sollten Sie aufhören, nach weiteren Läsionen zu suchen, die Sie zwangsweise entfernen können, und stattdessen das überreizte Nervensystem behandeln.

Wie kann ich die Kontrolle über meine Nerven zurückgewinnen?

Mit diesem Wissen können Sie deutlich gezielter vorgehen. Wenn die Schmerzen neuropathisch bedingt sind und auf einer Sensibilisierung des Nervensystems beruhen, ist die Einnahme großer Mengen herkömmlicher Entzündungshemmer kontraproduktiv – sie wirken nicht auf diese spezifischen Hirnregionen.

Schmerztherapie ist hier entscheidend. Spezialisten verfügen über die richtigen Medikamente (sogenannte Neuromodulatoren), die diese überaktiven Nervenganglien chemisch beruhigen und so dem Alarmsystem endlich Ruhe gönnen. Eine gezielte Therapie ist ebenfalls unerlässlich. Krankengymnastik Urogynäkologische Therapie hilft, dauerhaft verspannte, schmerzende Muskeln zu entspannen, und psychologische Unterstützung unterstützt Sie dabei, die Angst vor einem erneuten Anfall zu bewältigen. Denken Sie daran: Ihre Symptome sind real und haben eine solide biologische Grundlage. Zu verstehen, dass Ihr Nervensystem jetzt vor allem Ruhe, Pflege und ganz andere Medikamente benötigt, ist Ihr erster und wichtigster Schritt zu einem Leben ohne Schmerzen.

Quellen

  • Brawn, J., et al. (2014). Zentrale Veränderungen im Zusammenhang mit chronischen Beckenschmerzen und Endometriose. Update zur menschlichen Reproduktion. Eine Publikation, die eingehend analysiert und erklärt, wie die chronischen Schmerzen der Endometriose die Gehirnstrukturen verändern, die Toleranzschwelle gegenüber Reizen senken und zu einer langfristigen sensorischen Überempfindlichkeit führen.
  • Stratton, P., & Berkley, K. J. (2011). Chronische Beckenschmerzen und Endometriose: Translationale Evidenz für den Zusammenhang und Implikationen. Update zur menschlichen Fortpflanzung. Eine wissenschaftliche Studie erklärt die Entstehung von Schmerzen – von Entzündungen des Beckengewebes bis hin zur Entwicklung unabhängiger neuropathischer Schmerzen und Sensibilisierung des zentralen Nervensystems.
  • Possover, M. (2009). Pathogenese, Diagnose und Behandlung des Beckennervenkompressionssyndroms. Schmerzmediziner. Eine äußerst wichtige Studie mit Schwerpunkt auf der Neuropelveologie, die den Mechanismus beschreibt, durch den Endometrioseherde direkt in die Nervenplexus einwachsen, und die Ursachen solch starker peripherer Schmerzen erklärt.
  • Rousset, P., et al. (2014). Endometriose des Ischiasnervs. European Journal of Radiology. Eine fallbasierte Forschungsarbeit demonstriert die Existenz von Endometriose, die direkt auf den Ischiasnerv infiltriert und zu Symptomen führt, die der klassischen Ischialgie bemerkenswert ähnlich sind.
  • As-Sanie, S., et al. (2012). Veränderungen des regionalen Graue-Substanz-Volumens bei Frauen mit chronischen Beckenschmerzen: eine voxelbasierte Morphometrie-Studie. Schmerzen. Eine neurobildgebende Studie zeigt, dass Patientinnen mit chronischen Schmerzen aufgrund von Endometriose messbare, physische Veränderungen des Volumens der grauen Substanz im Gehirn aufweisen.
  • Morotti, M., et al. (2014). Schmerzmechanismen bei Endometriose. Europäisches Journal für Geburtshilfe und Gynäkologie und Reproduktionsbiologie. Eine Übersicht der medizinischen Literatur, die das Wissen darüber systematisiert, wie Krankheitsherde ihre eigenen Nervenfasern bilden und wie der Körper in einen sich selbst verstärkenden Kreislauf chronischer Schmerzen gerät.

Marta Pietrzak

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