Ein Endometriose-Glossar für Angehörige. Was bedeuten all diese Begriffe eigentlich?

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Dieser Text ist kein einfaches Wörterbuch medizinischer Begriffe. Vielmehr soll er Ihnen – Partnern, Eltern und Freunden – helfen, die Realität zu verstehen, in der Schmerzen den Alltag bestimmen und die komplexe Sprache der Entlassungspapiere die menschliche Erfahrung der betroffenen Frau völlig verschleiern kann.

Für einen Außenstehenden Endometriose Sie kann unsichtbar sein. Eine Frau wirkt „normal“, trägt oft Make-up, geht zur Arbeit, lacht mit Freundinnen. Doch für sie ist die Krankheit wie ein ständiges Hintergrundgeräusch, das sich in akuten Phasen zu einem Lärm steigert, der jeden Lebensbereich lähmt. Um diese Welt zu verstehen, muss man kalte Definitionen in Bilder übersetzen, die zeigen, was unter der Oberfläche vor sich geht. Und so kann man eine echte Unterstützerin sein, nicht nur ein Fan hinter einer Glasscheibe.

Biologie im Zerrspiegel

In einem gesunden Körper ist das Gewebe, das die Gebärmutter auskleidet, d.h. EndometriumMonat für Monat baut sich etwas auf, wird dann abgestoßen und verlässt den Körper mit dem Menstruationsblut. Alles hat seinen Rhythmus, seinen Platz und seinen Abgabeort.

Bei Endometriose finden sich gebärmutterschleimhautähnliche Zellen außerhalb ihres natürlichen Umfelds. Sie siedeln sich an den Eierstöcken, im Darm, in der Blase, an den Gebärmutterbändern und in seltenen Fällen am Zwerchfell und in der Lunge an. Man kann sich das wie Samen vorstellen, die aus ihrem natürlichen Umfeld entwichen sind und an unerwünschten Stellen gekeimt haben. Im Rhythmus des Hormonzyklus wachsen und bluten diese Zellen. Das Blut kann jedoch nicht abfließen. Es verbleibt im Gewebe, reizt die umliegenden Bereiche und verstärkt chronische Entzündungen. Deshalb ist Endometriose eine entzündliche Erkrankung und nicht nur eine gynäkologische Erkrankung im engeren Sinne.

Eine spezielle Form ist die Adenomyose. Dabei wachsen Zellen, die der Gebärmutterschleimhaut ähneln, tief in die Gebärmuttermuskulatur ein. Die Gebärmutter fühlt sich schwer und geschwollen an, die Menstruation kann stark und schmerzhaft sein, und betroffene Frauen beschreiben ein ständiges Völlegefühl im Unterleib. Adenomyose und Endometriose sind zwei unterschiedliche, aber häufig gemeinsam auftretende Erkrankungen – es ist wichtig, dies zu wissen, da sie leicht verwechselt werden können.

Anatomie von Schäden und Leben im Netz der Verklebungen

Wenn ein Arzt von Verwachsungen spricht, verwendet er einen technisch klingenden Begriff, hinter dem sich jedoch ein ganz bestimmtes körperliches Unbehagen verbirgt. In einem gesunden Bauchraum gleiten die Organe frei aneinander vorbei, getrennt durch eine dünne, glatte Membran. Verwachsungen sind Stränge aus Narbengewebe, die diese Bewegungsfreiheit einschränken. Sie verkleben den Darm mit der Gebärmutter, die Eierstöcke mit dem Bauchfell und die Blase mit der vorderen Bauchwand. Jede Drehung des Oberkörpers, jeder Stuhlgang, jeder Geschlechtsverkehr und jeder tiefe Atemzug können dann schmerzhafte Zugkräfte verursachen.

Neben Verwachsungen treten sogenannte tief infiltrierende Endometrioseherde (DIE) auf. Dabei handelt es sich nicht um oberflächliche Herde auf dem Bauchfell, sondern um Läsionen, die mehr als fünf Millimeter tief in das Gewebe reichen. Sie können die Darmwand, das Septum rectovaginale, die Ligamenta uterosacralia oder die Harnleiter betreffen. Diese Form der Erkrankung ist meist für die hartnäckigsten Schmerzen verantwortlich und erfordert einen erfahrenen Chirurgen.

Endometriosezysten an den Eierstöcken, im Volksmund auch „Schokoladenzysten“ genannt, sind weit verbreitet – aufgrund der Farbe des dickflüssigen, alten Blutes, das sie füllt. Sie können über Jahre wachsen, gesundes Eierstockgewebe komprimieren und die Eizellreserve, also die Eizellproduktion, beeinträchtigen. Daher ist es für Frauen mit Kinderwunsch entscheidend, sich vor einer Operation umfassend zu informieren – jeder Eingriff an den Eierstöcken, selbst ein fachgerecht durchgeführter, kann die Eizellreserve verringern. Die im Internet kursierende Bezeichnung „Zeitbombe“ ist daher eine grobe Vereinfachung. Entscheidungen bezüglich der Zystenbehandlung erfordern stets ein persönliches Beratungsgespräch mit einem qualifizierten Spezialisten.

Lexikon der Symptome und des schmerzhaften Alltags

Vielen Frauen ist es peinlich, über die Details ihrer Beschwerden zu sprechen. Doch hinter jedem medizinischen Fachbegriff verbirgt sich eine ganz konkrete, alltägliche Erfahrung.

Dyspareunie Es handelt sich um Schmerzen beim Geschlechtsverkehr. Diese Schmerzen rühren nicht von mangelndem Verlangen oder Beziehungsproblemen her. Sie werden meist durch Läsionen der Ligamenta uterosacralia, des Septum rectovaginale oder durch Verspannungen der Beckenbodenmuskulatur verursacht. Penetration, insbesondere tiefe Penetration, wirkt direkt auf diese Bereiche. Betroffene Frauen beschreiben die Schmerzen als das Treffen eines schmerzhaften Punktes tief im Unterleib, der manchmal bis in den unteren Rücken ausstrahlt. Nach einer solchen Erfahrung verbindet der Körper Sex mit Schmerzen und wehrt sich automatisch dagegen, selbst wenn die Frau ihn sich wünscht. Es ist kein böser Wille, sondern Biologie.

Dysurie bedeutet Schmerzen beim Wasserlassen, Dyschezie Schmerzen beim Stuhlgang. Sind Blase oder Darm betroffen, wird deren normale Funktion zur Belastung, insbesondere während der Menstruation. Manche Frauen verschieben den Toilettengang, um weitere unangenehme Momente zu vermeiden. Es mag banal klingen, beeinflusst den Alltag aber stärker, als man denkt.

Endo-Bauch ist ein umgangssprachlicher Begriff für plötzliche, sehr starke Blähungen. Bauch Die Schwellung kann so stark werden, dass die Kleidung innerhalb weniger Stunden nicht mehr passt. Sie ist hart, gespannt und manchmal schmerzhaft. Das ist keine Folge von zu viel gegessenem Essen. Es handelt sich um eine Entzündungsreaktion des Darms und des Bauchfells, die oft durch gleichzeitig bestehende Darmflora-Störungen oder Nahrungsmittelunverträglichkeiten verstärkt wird.

Dann gibt es noch die chronische Müdigkeit, die für Außenstehende oft am schwersten zu verstehen ist. Es geht nicht einfach nur darum, „nach der Arbeit müde zu sein“, sondern um einen Zustand, in dem der Körper rund um die Uhr gegen Entzündungen ankämpft und schlichtweg keine Reserven mehr für etwas anderes als das bloße Überleben hat.

Diagnostik, Krankheitsstadien und Ihre Rolle

Die Diagnose von Endometriose beginnt oft mit einem ausführlichen Gespräch und einer speziellen transvaginalen Ultraschalluntersuchung durch einen in der sogenannten Kartierung geschulten Arzt. In komplexeren Fällen Magnetresonanztomographie Becken, das tiefgreifende infiltrierende Veränderungen aufweist. Umfragedie Erfahrung erfordern – eine einfache „Routine“-Ultraschalluntersuchung bei einem beliebigen Gynäkologen zeigt oft nichts, obwohl die Krankheit vorhanden ist.

Vier-Schritte EinstufungDie Ihnen vielleicht bekannte Klassifikation heißt rASRM (von der American Society for Reproductive Medicine) und beschreibt lediglich das Ausmaß der anatomischen Veränderungen – Anzahl, Tiefe und Lage der Läsionen. Schmerzintensität und Lebensqualität werden nicht berücksichtigt. Dies ist ein sehr wichtiger Unterschied. Eine Frau mit einer Läsion ersten Grades, bei der nur wenige kleine Läsionen sichtbar sind, kann stark leiden, da die Läsionen aktiv sind und die Nerven reizen. Eine Läsion vierten Grades, also ein sogenanntes „Frozen Pelvis“ mit ausgedehnten Verwachsungen, verursacht manchmal weniger Schmerzen, obwohl die Anatomie stark betroffen ist. Sagen Sie Ihrer Partnerin daher niemals: „Aber es ist doch nur Grad 1.“ Der Grad sagt nichts darüber aus, wie sie sich fühlt. Es gibt auch eine neuere, präzisere Klassifikation, die Enzian-Klassifikation, die insbesondere bei tief infiltrierender Endometriose Anwendung findet.

Behandlung Die Behandlung der Endometriose ist vielschichtig. Sie umfasst die Hormontherapie (z. B. kombinierte Kontrazeptiva, Gestagene, Dienogest und in ausgewählten Fällen GnRH-Analoga, d. h. „künstliche Menopause“), die operative Behandlung, die urogynäkologische Physiotherapie, eine entzündungshemmende Ernährung und die psychologische Unterstützung. LaparoskopieDie operative Entfernung mehrerer kleiner Schnitte gilt weiterhin als Goldstandard in der chirurgischen Behandlung und als zuverlässigste Diagnosemethode. Sie ermöglicht dem Chirurgen die präzise Entfernung von Endometrioseherden und die Lösung von Verklebungen. Die Entscheidung für eine Operation sollte stets in einem auf Endometriose spezialisierten Zentrum getroffen werden, da ein unsachgemäß durchgeführter Eingriff mehr Verklebungen hinterlassen als entfernen kann.

Eure Rolle als Angehörige besteht nicht darin, sie zu behandeln. Eure Aufgabe ist es, ihr etwas zu geben, was kein Arzt ersetzen kann: ihr Verständnis und ihre Erfahrung zu bestätigen. Geduld zu haben, wenn sie wegen plötzlicher Schmerzen Pläne absagen muss. Ihr zu glauben, wenn ein anderer Arzt sagt: „Sie sind gesund.“ Die Befunde gemeinsam zu besprechen, sie zu den Terminen zu begleiten und ihr zuzuhören, ohne ungefragt Ratschläge zu geben. Das sind die Dinge, die den größten Unterschied machen. Zu wissen, was Verwachsungen, Dyspareunie oder Adenomyose sind, hilft euch, von der Rolle des Zuschauers zur Verbündeten zu werden. Und genau das braucht eure Partnerin, Tochter oder Freundin am meisten von euch.

Źródła:

  1. ESHRE-Leitlinie „Endometriose“, Europäische Gesellschaft für Reproduktionsmedizin und Embryologie, 2022.
  2. Zeitschrift für Endometriose und Beckenschmerzerkrankungen, Veröffentlichungen zur Neurobiologie des Schmerzes und den Auswirkungen der Erkrankung auf soziale Beziehungen.
  3. PZWL Medical Publishing House, "Ginekologia", rASRM-Klassifikationsstandards und Beschreibungen der Pathophysiologie von Adhäsionen.
  4. Weltendometriosegesellschaft, Leitlinien für eine ganzheitliche Betreuung und Aufklärung des Umfelds der Patientin.
  5. Keckstein J. et al., „Die #Enzian-Klassifikation: ein umfassendes nicht-invasives und chirurgisches Beschreibungssystem für Endometriose“, Acta Obstetricia et Gynecologica Scandinavica, 2021.

 

EndoMe-Team

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